Mittwoch, 18. November 2009

Polepole hapa katika Afrika…

Vor 3 Wochen, also am 26.10.2009, hab ich endlich in meinem Projekt angefangen!!!

Es gab zuerst ein kleines Durcheinander und dann konnte ich von einem auf den anderen Tag umziehen… “es gibt immer Überraschungen hier”

Und… jetzt wohne ich sogar direkt an meinem Projektplatz, nicht in der Parish, wie davor ausgemacht.



Über mein Projekt…

Erstmal – Es ist einfach super, ich glaub besser hätte es gar nicht laufen können!! Die Schwestern sind klasse, die Jungs haben mich echt lieb aufgenommen und die Arbeit macht richtig viel Spass!



Das Projekt trägt den Namen NAZARETI CENTER und wird von vier Ordensschwestern (Sr.s Sainte Chretienne) geleitet.
Die Schwestern kommen alle aus verschiedenen Ländern. Eine aus Belgien, eine aus Canada, eine aus dem Kongo und eine aus Ruanda.
Miteinander sprechen die Schwestern immer Französisch, mit den Kindern sprechen die Kiswahili und nur eine Schwester kann Englisch sprechen.
D.h. für mich, ich bin sozusagen gezwungen Kiswahili zu sprechen – aber ich werde Tag für Tag besser, denk ich.

Im Moment leben hier im Center 22 Jungs zwischen 7 und 17 Jahren. Aber die Anzahl der Jungs kann sich schlagartig ändern… es können neue dazukommen, wie gestern erst, und es kann passieren, dass Jungs sich entscheiden zu gehen, oder gehen müssen.



Alle Jungs sind aus verschiedenen Gründen hier bzw. haben sich aus verschiedenen Gründen für die Strasse entschieden – jeder schreibt sozusagen seine eigene Geschichte.
Viele haben getrennt lebende Eltern oder nur noch ein Elternteil und die neue Familie will oder kann das Kind nicht versorgen. Bei einpaar Jungs sind die Eltern verstorben und die nähere Verwandtschaft kann das Kind nicht mitversorgen oder es gibt keine Verwandten, zu denen das Kind gehen könnte. Es gibt auch Jungs, die zu Hause geschlagen oder ausgenutzt wurden… oder einfach von dort verstoßen worden sind.
Alle Geschichten sind auf irgendeine Art erschreckend und traurig.



Ich finde, man kann das Projekt an sich mit einem Kinder- und Jugenheim in Deutschland vergleichen – nur mit afrikanischen Verhältnissen.
Es gibt bestimmte Regeln, die die Jungs einhalten müssen,
es gibt zwei Waschtage, an denen jeder nach der Schule seine Sachen selbst wäscht – mit der Hand natürlich,
es gibt Wochenjobs, wie z.B. mit den Ziegen auf die Wiese gehen oder nach dem Essen Tische abwischen und kehren,
am Samstag gehen zwei Gruppen auf den Markt
und jeder hat seinen kleinen Tagesjob, wie z.B. die Milch zu den Leuten bringen, die Ziegen füttern oder schauen, ob die Duschen sauber sind.



Vormittags gehen die Jungs in die Schule. Die meisten gehen in die Primary School. Aber einpaar gehen auf eine extra Schule, für Jugendliche, die nicht eher in die Schule gehen konnten. D.h. die fangen mit ca.14 Jahren oder später erst mit der Schule an.
Um 12 Uhr kommen die jüngeren Jungs nach Hause und dann wird meistens gelernt, also Mathe- oder Leseübungen gemacht oder gewaschen, wenn Waschtag ist und einpaar helfen auch beim Kochen.
Die Jungs sind echt motiviert, was das Lernen angeht… wenn einer Übungen macht, dann will der ganze Rest natürlich auch ☺


Bis 15 Uhr sind dann die anderen Jungs auch zu Hause angekommen und dann gibt es erst Mittagessen. Die Afrikaner essen grundsätzlich später, als wir in Deutschland bzw. Europa.
Mittags ess ich immer zusammen mit den Jungs. Es essen ca. 4 bis 6 Leute von einer grossen Platte – mit der Hand, versteht sich ☺
Aber davor waschen sich alle die Hände in einer Schüssel (aber es gibt natürlich auch sauberes Wasser zum nachschütten)
Ich persönlich finde das Essen immer recht heiß, aber den Jungs scheint die Hitze weniger auszumachen… ich verbrenn mir meistens meine Finger.

Zum Essen gibt es oft Kochbananen mit Bohnen, aber auch Reis, Kraut, kleine Fische, Gemüse und was, dessen Namen ich immer vergess.
Aber meinetwegen könnte es jeden Tag Kochbananen geben – die schmecken sooo gut!! Ich mag die!



Nach dem Mittagessen wird ab und zu einbisschen gearbeitet, wenn was anfällt, fertig gewaschen oder einfach nur gespielt.

Aber zurzeit probier ich mit den Jungs immer Englisch zu üben. Die fragen mich schon Mittags oder Vormittags, ob ich meine Bücher holen kann.
Am Anfang hab ich versucht, dass vergleichbar wie in der Schule zu machen, d.h. eine kleinere Gruppe (mit ungefaehr dem gleichen Niveau) zusammen gesetzt und versucht was zu erklären. Aber meistens sind die Anderen auch gekommen und haben nur noch “Na mimi Renate” (= “und ich Renate”) gesagt und dann war Chaos groß.
Naja… mittlerweile schaff ich es, dass ich mit Einzelnen oder kleinen Gruppen Woerter üb und sogar einbisschen Grammatik.

Die Jungs lernen zwar in der Schule Englisch, aber meistens können die Englischlehrer in den billigeren Schulen auch nicht besonders viel.
Das merkt man vorallem, wenn man Abends oder Nachmittags durch den Ort geht und von allen Seiten “Good morning teacher” oder “Good morning Sir” hört. Die Kinder wollen ihr Englisch ausprobieren, aber eigentlich wissen die nicht einmal wirklich, was die sagen.

Ich hab mir mal ein Englischheft von einem unserer jüngeren Jungs angeschaut… ungefähr so:
This is a ruler.
This is an umbrella.
This is an orange.
This is a…

Und hinter jedem Satz ist das passende Bild. Aber oft wissen die nichtmal genau was sie eigentlich gemalt haben… und Grammatik gibts bei denen nicht wirklich.

Naja… ist echt ein super Punkt, an dem ich arbeiten kann!! Und es macht Spaß, weil alle sehr motiviert sind.
Englisch öffnet den Jungs später halt Türen zu besseren Berufen!



So… das Nazareti Center hat auch einpaar Angestellte, d.h. einen Nachtwächter, eine Köchin, die während der Woche für die Jungs kocht, und zwei Betreuer bzw. Erzieher, die abwächselnd jeden Tag von 17:30 Uhr bis in der Früh um ca. 9:30 Uhr da sind und sich mit den Jungs beschäftigen und auf sie aufpassen.


Zurzeit wird im Center gebaut. Es wurde eine neue Küche gebaut… aber man muss sich vorstellen, dass die alte Küche ein typisches Lehmhaus ist, winzig klein, mit zwei Feuerstellen am Boden und außerdem fällt sie schon langsam auseinander.
Und das aller erste Haus (ehemaliger Schlafplatz der Jungs und ein kleines Büro), auch komplett aus Lehm, wurde erst abgerissen und wird jetzt neu gebaut.
Es müsste noch einiges gemacht werden, aber es geht alles langsam “polepole” vorran, weil eben das Geld nicht da ist, um soviel auf einmal zu verbessern.



Das Nazareti Center durch Spenden aufrechtgehalten und finanziert. Es gibt eine Organisation in Europa, welche die Ausgaben für das Essen und das Schulmaterial (d.h. Schuluniform, Hefte, Stifte…) der Kinder übernimmt. Und sonst spenden Verwandte, Freunde und Bekannte der Schwestern was gebraucht wird dazu.
Man muss sparsam mit allem sein und die Kinder müssen lernen mit ihren Sachen verantwortugsbewusst umzugehen.



Insgesammt ist das Ziel der Schwestern, dass die Jungs nicht auf der Strasse leben müssen, in die Schule gehen können, Verantwortung lernen und irgendwann evtl. wieder zurück in ihre Familien können.

Deswegen wird auch immer der Kontakt zur Familie oder nächsten Verwandtschaft aufrecht
gehalten. Die Schwestern besuchen die Familien auch immer, um sich selbst mal ein Bild von der Familiensituation zu machen. Und auch, um zu schauen, ob das Kind nicht doch zu Hause leben könnte.
In den Ferien koennen die Jungs ihre Familien auch besuchen… das ist gut, um das Familienverhaeltnis wieder aufzubauen, denk ich.



Allgemein würde ich sagen, dass dieses Projekt super läuft, obwohl es erst vor ca. 3 – 4 Jahren gegründet wurde. Hier sieht man wenigstens, dass was vorran geht und die Schwestern sich wirklich fuer die Jungs einsetzten.


Also mir macht es Spaß und ich glaub echt, dass es nicht besser hätte laufen können!


Mimi akukumbukaye Renate ☺

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